Das DSFP–Komitee: Thomas Recktenwald

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Am Sonntag dem 27. Juli 1986 wurde ich im Bürgerhaus von Saarbrücken-Burbach – dreieinhalb Jahre nach meinem Eintritt in den SFCD und vielleicht zwei Stunden nach meinem ersten öffentlichen Auftreten als Mitglied des SFCD-Vorstands – darauf hingewiesen, dass einem gerade auf der Mitgliederversammlung ins Leben gerufenen „Komitee zur Vergabe des SFCD-Literaturpreises“ jemand aus dem Vorstand angehören sollte. Der damalige seit einem Jahr amtierende Vorsitzende Hans-Jürgen Mader dachte sich wohl, dass ein Schriftführer auch des Lesens mächtig sein dürfte. Der ebenfalls neu in den Vorstand gewählte Fred Körper war ja mit Zahlen beschäftigt, und Hermann Urbanek, der den später in „Deutscher Science Fiction Preis“ umbenannten SFCD-Literaturpreis ins Leben gerufen hatte, war als mein Vorgänger aus dem Vorstand ausgeschieden.
In diese missliche Lage war ich durch einen Nachbarsjungen geraten, der mir dreizehn Jahre vor meinem ersten Wirken im Preiskomitee drei Perry-Rhodan-Hefte schenkte, weil er nur hinter den Risszeichnungen her war. Kurze Zeit später war er auch nicht mehr an Risszeichnungen interessiert, so dass ich die Hefte wieder vervollständigen konnte. Dass die Nummer 1 der Serie drei Tage nach mir das Licht der Öffentlichkeit erblickt hatte, habe ich erst viel später erfahren, aber den An- und Verkauf, der Romanhefte für 20 Pfennig und Taschenbücher je nach Dicke für eine oder 2 Mark anbot, habe ich dann bis zum Abitur regelmäßig geplündert. PR kaufte ich später im Laden, erfuhr so rechtzeitig von einem Con in Saarbrücken und lernte dort mehr oder weniger seltsame Angehörige des saarländischen Fandoms kennen. Meine erste Mitwirkung im Preiskomitee war kurz, weil ich nach zwei Jahren zum Vorsitzenden des SFCD gewählt wurde, für einige Zeit zusätzlich AN-Chefredakteur war und zwischendurch einen SFCD-Jahrescon mitorganisierte, aber 1998 trat Birgit Fischer meine Nachfolge als Vorsitzende an und befreite mich dadurch von etlichen Pflichten. Ein Jahr später erhielten ich sowie einige Autoren und Fans eine Einladung nach Poitiers zum erstmals stattfindenden Festival „Utopiales“, das unter dem Motto „deutschsprachige SF“ lief. Darunter waren Wolfgang Jeschke, Andreas Eschbach und Udo Klotz, aber auch Florian Breitsameter, der damalige Vorsitzende des DSFP-Komitees. Er hatte gegen mein Angebot, dem Komitee wieder beizutreten, nichts einzuwenden. Unsere Arbeit war damals, als das Internet noch nicht so recht im Gange und BoD noch kein Begriff war, recht übersichtlich. Hermann Urbanek, der damals die „LiteraTour“-Sparte in AN betreute, versorgte uns mit den relevanten Informationen, man konnte sich die wenigen Werke – meist im Taschenbuchformat – auf eigene Kosten zulegen oder Fotokopien der einzigen deutschsprachigen Kurzgeschichte verschicken, die Wolfgang Jeschke pro Ausgabe von „Asimov’s SF-Magazin“ bringen durfte. Falls die Preisträger überhaupt anreisten, ging die Zeremonie in Con-üblicher Bekleidung über die Bühne. Dann erfolgten allerdings einige entscheidende Veränderungen: Nach Rücksprache mit dem SFCD-Vorstand war eine Dotierung des Preises über Spenden für einen gemeinnützigen Verein erlaubt, also damals je 1000 DM je Kategorie. Dann beklagte sich Andreas Eschbach über das von Florian entworfene Präsent, nämlich eine Buchstütze mit von den Clubnadeln abgetrenntem SFCD-Emblem. Andreas hatte nämlich so oft mit einem Roman oder einer Story gewonnen, dass Florian abklären musste, ob er aktuell eine linke oder rechte Buchstütze anfertigen sollte, und Andreas gingen dann wohl auch die Regale aus. Also schlug er 2004 vor, Medaillen anfertigen zu lassen, und spendete sein damaliges Preisgeld für den Prägestock. Nach der Umstellung auf den Euro erklärte sich Helmuth W. Mommers dankenswerter Weise bereit, einen Tausender beizusteuern, damit die werbewirksame numerische Höhe des Preisgeldes erhalten blieb. Für 2005 – der SFCD feierte das erste halbe Jahrhundert seines Bestehens – wurde dann beschlossen, die Preisverleihung prunkvoller zu gestalten. Berufsmäßig hatte ich mir eh ein paar Anzüge zulegen müssen, mein Schneider in San Francisco versorgte mich mit passenden Krawatten, und von Udo Emmerich, der Florian als Komiteevorsitzenden ablöste, hatte ich zwei Jahre zuvor das Amt übernommen. Damit schaffte ich es sogar in die Wikipedia. Das hielt ich bis 2010 durch und verließ das Komitee, um mich wieder im SFCD-Vorstand bemerkbar zu machen. Dann habe ich den gewählten Vorstand verlassen, weil ich im Komitee gebraucht wurde. Dieser Zyklus wird sich hoffentlich nicht bis in alle Ewigkeit wiederholen. Ich kann auch nicht erwarten, dass andere mit unserer Auswahl, insbesondere den prämierten Werken, übereinstimmen, man erkennt es auch an den mehr oder weniger starken Überschneidungen mit den Gewinnerinnen und Gewinnern anderer Preise in den phantastischen Genres, aber etliche Namen wurden durch den DSFP einer breiteren Öffentlichkeit bekannt und fanden ihre Leserschaft. Wenn bei den in „c’t“ oder „Spektrum der Wissenschaft“ veröffentlichten Kurzgeschichten in den Kurzbiographien der DSFP erwähnt wird, sehe ich das auch als Anerkennung unserer Arbeit an. Oslo, den 14.06.2026 |
