Das DSFP–Komitee: Peter Alsdorf

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Peter Alsdorf, geboren 1962 in Berlin, 3 erwachsene Söhne. Meine frühen Lese–Erlebnisse machten mich wohl zu einem Fan phantastischer Geschichten. Das gilt vielleicht nicht nur für mich. Während andere Fußball spielten, holte ich mir einen Sonnenbrand, weil ich den Ferientag damit verbrachte, auf der Wiese zu liegen und lesend in eine andere Zeit einzutauchen. »Der Wettlauf mit dem Mammut« war 1972 auf Deutsch erschienen und dieses Jugendbuch war das erste, das ich allein gelesen habe. Jenö Szentivanyi erzählt darin auf spannende Weise und mit einer naturwissenschaftlichen Perspektive von der (eigentlich Jahrtausende währenden) Entwicklung einer Gruppe von Steinzeitmenschen. Fortan wollte ich nur noch Bücher lesen, die spannend von der Natur, von Erfindungen und vom Weltraum erzählten. Es gab das »Mosaik«, aber das erschien nur monatlich und war viel zu kurz. Ich entdeckte Jules Verne und die Bücher von Alexander Kröger, Klaus Frühauf und K.–H. Tuschel, die in der DDR zwischen den 1960er– und 1980er–Jahren Millionenauflagen erreicht hatten. Ein weiteres Jugendbuch, das mir sehr gefiel, war »Die Insel der Erdbeben« von Klara Fehér aus Ungarn. Ich schenkte es einem Freund. Damit schuf ich mir einen ersten Diskussions– und Sammelpartner für Zukunftsromane. Karsten machte mich mit »Menschen wie Götter« von S. Snegow bekannt, quasi die Weltraum–Oper des Ostens. Mit Eberhard del Antonio flog ich zum »Titanus« und erlebte die »Heimkehr der Vorfahren«. Ich las Heiner Ranks »Die Ohnmacht der Allmächtigen«, Herbert Ziergiebels »Zeit der Sternschnuppen« und Günther Krupkat erzählte uns von »Nabou« und von den Terrassen von Baalbek. Wolf Weitbrecht erzählte vom »Orakel der Delphine« und die Brauns vom »Irrtum des Großen Zauberers«. Wenn auch ich die Doppelbödigkeit des Werkes damals allenfalls erahnte, so fiel mir doch spätestens da auf, dass es recht unterschiedliche Arten des Erzählens von Science–Fiction gab. Mein Interesse verlagerte sich von den Abenteuern im Weltraum auf Texte mit mehr … nennen wir es ruhig: Anspruch. Zum Beispiel auf den Roman »Andymon« von den Steinmüllers und auf Erzählungsbände, von denen es in der DDR viele gab. Mein erster Lem waren die »Pirx«–Erzählungen. Inzwischen habe ich alles, was Lem auf Deutsch veröffentlicht hat, gelesen. Die wenigen utopischen Filme, die es im Osten im Kino zu sehen gab, kannte ich alle. Im Westfernsehen erlebte ich die Abenteuer der »Raumpatrouille Orion« und sah Klassiker wie »Planet der Affen«, »Dark Star«, »Silent Running«, »Zardoz«, »Flucht ins 23. Jahrhundert« oder »Phase IV«. Das Genre, das ich las, hieß Science–Fiction bzw. utopische oder wissenschaftlich–phantastische Literatur. Eingeweihte kennen die Diskussionen aus den 1970er Jahren, als »SF« in der DDR noch ein verpönter Begriff war. Ich wurde Stammgast in Bibliotheken, in denen mich eigentlich immer nur ein Regal interessierte. In der Buchhandlung um die Ecke legte man mir neu erschienene Bücher zurück. Ende der 1980er Jahre besaß ich eine schöne Sammlung, die viele DDR–SF–Bücher umfasste, und Titel aus den Bruderländern waren dort auch reichlich vertreten, vor allem aus der Sowjetunion. Nachdem ich »Der Ferne Regenbogen«, »Picknick am Wegesrand« und »Mittag, 22. Jahrhundert« der Strugatzkis gelesen hatte, wurden sie meine absoluten Lieblingsautoren. Ihre Romane sind für mich auch heute noch Referenzen für gute SF Literatur. 1985 gründete sich in Berlin der Science–Fiction–Club Andymon (benannt nach dem gleichnamigen Roman der Steinmüllers), dem ich noch im selben Jahr beitrat. Seitdem befasse ich mich regelmäßig mit Science–Fiction (jeder zweite Donnerstag im Monat) und habe Freunde und (zum Teil langjährige) Weggefährten gefunden, mit denen ich zu nationalen und internationalen Cons reise. Ab 1989 war der Markt der Heyne–Taschenbücher für uns zugänglich. Ich begann, westliche Science–Fiction zu lesen, und versuchte, aufzuholen. Zunächst las ich vor allem die Erzählungen und Romane von H. W. Franke, A. C. Clarke, I. Asimov und Ray Bradbury. Von den Cons und Veranstaltungen, die ich ab 1990 besuchte, kam ich regelmäßig mit einer Reisetasche voller Bücher zurück. Diese hatte ich glücklich bei Verkäufern wie Reinhard Rauscher erstanden, der auf keinem größeren Con in Deutschland fehlte. Perry Rhodan ließ ich (wie übrigens auch Stephen King) lange links liegen – erst nach dem Eschbach–Roman fing ich an, die Silberbände zu lesen. (An King traute ich mich heran, nachdem es Hörbücher gab.) Auch die Heyne–Jahresbände, eine reiche Quelle an Sekundärtexten zur Science–Fiction, sammelte ich mir im Laufe der Zeit zusammen (und ich kaufe sie auch jetzt treu weiter bei den neuen Verlagen). Mit Fantasy kann ich weniger anfangen – mit ein paar Ausnahmen wie dem »Herr der Ringe« und dem »Hobbit« vielleicht. Nach der Schule, der Lehre und meiner Armeezeit – auch hier war ich Stammgast in der Buchhandlung der Kaserne – habe ich bis 1990 in Leipzig studiert. Die Entscheidung, ein Ingenieurstudium aufzunehmen, führe ich direkt auf meine Leidenschaft für Science–Fiction–Literatur zurück. (Okay, meine Eltern, die beide Chemiker waren, haben mich natürlich auch darin bestärkt.) Ich habe in verschiedenen Berufen und Tätigkeitsfeldern gearbeitet und bin in den letzten zehn Jahren an einer Grundschule gelandet, wo ich jetzt noch ehrenamtlich die Bibliothek betreue. Dafür habe ich der Bibliothek einige jugendtaugliche Reihen aus meiner Comic– und Manga–Sammlung gespendet. Auch hier interessieren mich SF–Themen wie in »Planetes«, »Neon Genesis Evangelion« und »2001 Nights« oder die SF–Comics von Leo. Neuerdings interessiere ich mich für Science–Fiction aus China, nachdem ich »Die drei Sonnen« gelesen hatte. Durch das Kennenlernen aktueller Autoren auf diversen Cons in den letzten Jahren lese ich jetzt viele Bücher der neueren Generation von Autoren wie Charles Stross, Steven Baxter, Kim Stanley Robinson, Peter Weir, Daniel Suarez, Peter F. Hamilton, Becky Chambers, R. C. Wilson und Peter Watts. Bislang las ich, bis auf Eschbach, Brandon Q. Morris, W. Jeschke und H. W. Franke, nur wenig neue deutsche Science–Fiction, was sich nun ja gerade ändern wird. Mitglied im SFCD bin ich seit vielen Jahren, ich glaube, seit dem Con in Freudenstadt, und ich habe viele DSFP–Veranstaltungen live miterlebt. Als ich beim BuchmesseCon 2025 sah, wie die Preisverleihung mit nur sehr wenigen Teilnehmern stattfand, entschloss ich mich, dem Komitee für den Deutschen Science–Fiction–Preis als aktives Mitglied unter die Arme zu greifen. Ich bin gespannt auf die Erfahrungen. Die jetzige DSFP–Truppe habe ich zunächst nur online kennengelernt, aber sie gefällt mir wirklich gut. |
