Das DSFP–Komitee: Knud Larn

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Ein paar Worte über mich schreiben? Na klar. Mein Name ist Knud Larn, ich bin 61 Jahre alt, Däne,
bildender Künstler und lebe etwas westlich von Kopenhagen, am Stadtrand. Ich bin mit einer
wundervollen Frau verheiratet und habe eine erwachsene Tochter und zwei entzückende
Enkelkinder. Zwei Katzen liegen irgendwo in Regalen herum. Lesen ist meine Leidenschaft, seit ich denken kann. Von den kleinen Geschichten auf den Frühstücksboxen über Stapel von Donald–Duck–Magazinen und einem kleinen Berg von Comic–Alben bis hin zu den ersten richtigen Büchern. Es gab nie ein festes Thema; ich habe alles gelesen, was es gab, und lese es im Grunde immer noch. Zuerst in der Bibliothek meiner örtlichen Schule, all die alten Klassiker, dann – als wir 1973 in die naheliegenden Kleinstadt zogen – alles, was die Provinzbibliothek zu bieten hatte. In der Kinderbibliothek musste ich mich mit einem Mädchen um die guten Comics streiten; sie lieh sich IMMER genau die aus, die ich lesen wollte, direkt vor meiner Nase. Ziemlich nervig. Sie war es, die ich viele Jahre später in einem anderen Teil des Landes geheiratet habe :–), ebenfalls eine Leseratte. Eines Tages führte mich die Bibliothekarin in die Erwachsenenabteilung, und mein Leseglück war vollkommen. Meterweise Bücher zu allen möglichen Themen, ausführliche Rezensionen, nicht die bildhaften, eher oberflächlichen Darstellungen der Kinderbücher und jede Menge Belletristik. Ich sage immer von mir selbst, dass ich von vielem ein bisschen Ahnung habe, da ich alle möglichen Fachbücher zu den unterschiedlichsten Themen verschlungen habe. Es war einfach unglaublich, was man alles lernen konnte, nur indem man sich hinsetzte und las! Natürlich entwickelte sich daraus eine geisteswissenschaftliche Bildung, und die ersten Fremdsprachen eröffneten mir noch viel größere Welten als Dänisch. Englisch, Deutsch und Französisch bereicherten mein literarisches Leben um ein Vielfaches. Die Science–Fiction hielt durch Kurzgeschichten und ein Lehrerehepaar, das in der Nähe wohnte und dessen Kinder ich aus der Schule kannte, Einzug in mein Leben. Wir tranken bei ihnen Tee, nicht Kaffee wie zu Hause, und ihre Wohnung war mit Bücherregalen tapeziert. Vom Boden bis zur Decke, in vielen Zimmern. Sie lasen immer drei oder vier Bücher gleichzeitig und machten sich beim Lesen kleine Notizen darin. Bei meinen Besuchen bekam ich oft eine Tasche voller Science–Fiction–Taschenbücher geschenkt, die ich zu Hause verschlang. Sie waren alles Klassiker des Genres. Ich entdeckte meine Liebe zur Kurzgeschichten und dass sich die Ideen und Welten der Science–Fiction (von den besten Autoren) in diesem kurzen Format perfekt entfalten ließen. Ich erkannte auch, wie wahr Theodore Sturgeons Maxime »90 % von allem ist Mist« war, und der Kritiker in mir war geboren! Die Gespräche mit dem Lehrerehepaar halfen mir, meine Kritik zu formulieren. Zeitschriften enthielten zwar Kurzgeschichten, aber sie waren nicht in der Provinzbibliothek vorhanden, also musste ich sie selbst abonnieren. Es entwickelte sich zu einer kleinen Detektivarbeit, sie zu finden und zu bezahlen (das war vor dem Internet). In jenen Jahren begannen in Dänemark die ersten Buchversandhandelsgeschäfte und eine Buchhandlung in einem anderen Teil des Landes verkaufte Science–Fiction auf diesem Weg. Unter anderem die amerikanische Perry Rhodan–Ausgabe (Nr. 1–100), die meine erste Begegnung mit deutscher Science–Fiction war. Ja, in meinem Elternhaus stapelte sich das Papier in meinem Zimmer… Auf einem Festival 1982 in Kopenhagen entdeckte ich die Vereinswelt. Es gab sogar eine Zeitschrift des dänischen Science–Fiction–Fanverbands, die mir kostenlos Jugendbücher zuschickte (!), wenn ich sie las und meine Meinung dazu schrieb. Später wurde ich Mitglied, in den Vorstand gewählt, war eine Zeit lang Vorsitzender und organisierte einige Science–Fiction–Kongresse in Kopenhagen (z. B. Eurocon 2007, einen andere über Steampunk und noch einen über Afrofuturismus). Auf demselben Festival lernte ich Bob Shaw kennen, der mir ein paar Fanzines und eine seiner Kurzgeschichten gab und meinte, ich solle selbst ein Fanzine machen, es sei »nicht schwer«. Gesagt, getan, und mir eröffnete sich eine ganz neue Welt mit zahlreichen Abonnements und Tauschbörsen. Viele veröffentlichten Fanzines in kleinen Auflagen, sowohl in Dänemark als auch im Ausland. Heute halte ich mit meinem FANDOM FOREVER meinen achten Fanzinetitel in den Händen – ein paar umfassten 25 oder 100 Ausgaben, andere nur 10 oder 2. Mit jedem Job und jedem verdienten Geld wuchs meine Science–Fiction–Sammlung rasant. Später, mit dem Aufkommen des Internets, konnte ich seltenere Schätze entdecken, zum Beispiel die allerersten amerikanischen Pulp–Magazine, in Buchhandlungen in Indien, Kanada oder Australien. Heute ist die Sammlung riesig und füllt ein ganzes Haus. Spenden von alten Fans, die in Pflegeheime ziehen, von Clubschließungen und Erben, die ihren Nachlass auflösen, sind die größten Beiträge der letzten Jahre. »Ein Schwarzes Loch zieht Masse an«, wie ein Freund es ausdrückte. Skandinavische, deutsche, englische und französische Science–Fiction mit Schwerpunkt auf Kurzgeschichten und Fankultur bildet den Kern des Archivs. Darunter befinden sich unter anderem 293 Ausgaben der Andromeda Nachrichten. »Hast du das alles gelesen?« Ja, so ziemlich alles. Ich spare zwar ein bisschen fürs Alter, aber größtenteils ja. Und seit vielen Jahren lese ich deutsche Kurzgeschichten und Romane. Anfangs habe ich sie auf den jährlichen deutschen SFCD–Kongressen gekauft, die so bequem mit dem Zug zu erreichen waren, später habe ich sie einfach bei Amazon bestellt. Das Science–Fiction–Jahr war dabei eine unschätzbare Informationsquelle. Und natürlich AN! Als ich also las, dass der DSFP noch ein paar Leser suchte, war es klar, dass ich mitmachen wollte. Ich lese es ja sowieso und habe schließlich eine Meinung zu dem, was ich lese, oder…? Als Leser – und vielleicht gerade weil ich so vieles anders gelesen habe und weiterhin sowohl römische als auch griechische Klassiker, die anspruchsvollere Literatur in verschiedenen Sprachen usw. lese – lege ich großen Wert auf gute Handlungen, tiefgründige Charaktere, sorgfältig ausgearbeitete Welten und eine völlig originelle, wunderschön erzählte Idee, viel mehr als auf vieles andere. Manche Werke konzentrieren sich ausschließlich auf Action, andere ähneln in ihrer Erzählform eher Drehbüchern als echter Literatur, und wieder andere erwecken den Eindruck, dass die Geschichte mit ein wenig Umformulierung genauso gut Fantasy, Krimi oder Thriller statt Science–Fiction sein könnte. Solche Werke überzeugen mich nicht. Ich brauche eine fesselnde, gut erzählte Geschichte, die mich mit ihren Ideen überrascht, mir einen guten Einblick in die Welt, in der sie spielt, gewährt und mich bis zum Schluss mit den Charakteren identifizieren lässt. Wenn das gelingt, bin ich begeistert! Glücklicherweise ist die DSFP–Lesegruppe in ihren individuellen Lesegeschmäckern sehr vielfältig, was nicht nur zu einer fundierteren Preisvergabe führt, sondern uns Lesern auch immer wieder überraschende Leseerlebnisse beschert. Denn selbst mit 61 Jahren, nach einem Leben voller Lektüre, kann ich mich noch immer überraschen lassen! |
