Das DSFP–Komitee: Franz Hardt

Ich war fast acht Jahre alt, als Menschen zum ersten Mal auf dem Mond landeten und ich hätte das Ereignis gerne live auf unserem kleinen Schwarz–Weiß Fernseher verfolgt, aber die Uhrzeit war etwas ungünstig. Ich habe mich also schon früh für Raumfahrt und Astronomie interessiert und noch heute ärgern mich offensichtliche Fehler eines Textes in diesen Bereichen. Hand in Hand – ich weiß nicht, was zuerst da war – mit diesen Interessen entstand die Begeisterung für Science Fiction und ich habe früh begonnen, »Perry Rhodan« zu lesen und dies tue ich heute noch, inzwischen seit über 50 Jahren.
Anfangs, als der Weltraum noch groß und voller Wunder war, also im schönsten Alter für Science Fiction, las ich vor allem Klassiker, wie Asimov und Clarke. In den 80ern, als jeden Monat Berge von neuen SF-Büchern erschienen, erweiterte sich mein SF-Horizont z.B. um Brunner, Lem und Le Guin. Nun waren mir auch gesellschaftliche Entwicklungen wichtig, Einblicke in andere Lebensweisen, Begegnungen mit dem Fremden. Damals entdeckte ich meine Liebe zu Kurzgeschichten (Tiptree, Sturgeon, Dick, Bradbury, später: Chiang), die sich irgendwann auf die deutsche SF ausgedehnt hat und bis heute anhält.
Nachdem ich einige Zeit Rezensionen für die »Andromeda Nachrichten« des SFCD geschrieben hatte, wurde ich Mitte 2020 Mitglied des DSFP Komitees. Dies macht mir immer noch sehr viel Spaß, obwohl ich es außerordentlich bedauere, dass dadurch die Lektüre nicht-deutschsprachiger SF und von Büchern außerhalb der SF zu sehr eingeschränkt wird.
Heute versuche ich, mittels verschiedener Bewertungskriterien wie Stil, Charakterisierung, Weltenbau, Originalität etwas Struktur in meine Gedanken zu einem Text zu bringen, um zu einem nachvollziehbaren Urteil zu kommen. Vielleicht liegt dies an meinem Werdegang, denn ich habe Mathematik und Physik studiert und lange in der Softwareentwicklung gearbeitet. Dabei stelle ich aber immer wieder fest, dass es keinen Weg gibt, die Qualität eines Textes objektiv zu messen und mittels einer eindeutigen Zahl zu beschreiben – zumindest habe ich ihn noch nicht gefunden. Immer wieder sind es persönliche Grundeinstellungen und Geschmacksfragen, sowie unterschiedliche Gewichtungen der Kriterien, die das Gesamturteil beeinflussen. Und immer wieder gibt es Texte, die meine Kriterien und Festlegungen sprengen – und das finde ich eigentlich auch gut so. Ich bin daher ein großer Freund eines DSFP Komitees, das unterschiedlich aufgestellt ist, in dem die Mitglieder unterschiedliche Vorstellungen und Vorlieben haben.
Insgesamt ist es mir wichtig, etwas Neues zu lesen, sei es inhaltlich oder formal. Die Sprache ist mir wichtig, es darf gerne experimentiert werden und wenn die Idee nicht wirklich neu ist, muss dies durch Originalität in anderen Bereichen ausgeglichen werden. SF ist für mich eine große Spielwiese, sie kann uns einen Spiegel vorhalten, Entwicklungen weiterdenken und Dinge ausprobieren. Bei den Texten möchte ich, dass bei mir etwas hängenbleibt, dass ich mich an etwas erinnern kann. Ich möchte berührt werden durch das Schicksal der Figuren, ich möchte einen neuen Blick auf die Welt oder zumindest Teile der Welt gewinnen.